Geschichte von Kettenis

Die erste Erwähnung des Namens Kettenis fällt in das Jahr 1214. Der Ort verdankt sein Entstehen einem Rittergut. Von dieser Burg  ist nichts mehr erhalten, jedoch lässt sich die wahrscheinliche Lage bestimmen. Noch heute zeigt das Ortszentrum eine Ringstraße, gebildet aus einem Teil der  Winkelstraße, einem Teil der Talstraße (Türmchenstraße), dem Lindenberg, eine Teil der Weimser Straße und der sogenannten Vyllgasse. Innerhalb dieses Ringes lag vermutlich das Burggelände. Auf der Burg wohnte eine Adelsfamilie, die den Namen des Ortes trug.

 

Im Mittelalter gehörte Kettenis (sowie die umliegenden Gebiete) zum Herzogtum Limburg (Bank Walhorn), ab 1288 zum Herzogtum Brabant, kam bald in den Besitz der Herzöge von Burgund, wurde später Teil der spanischen und dann der österreichischen Niederlande und ab 1795 französisch. Nach dem Wiener Kongress (1815) kam das Gebiet zu Preußen und wurde nach dem Versailler Vertrag (1919) belgisch. Im Zuge der Gemeindefusionen wurde das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kettenis ab dem Jahr 1977 Teil der Stadt Eupen.

 

Ursprünglich lebten die Ketteniser von Viehzucht  und Ackerbau. Im 18. Jahrhundert begannen die Ketteniser in ihren Wohnungen für die Eupener Tuchfabrikanten zu weben und zu spinnen. Im Jahre 1841 standen etwa 300 Webstühle im Ort. Im Jahr 1860 waren mehr als die Hälfte der Bewohner von der Weberei abhängig. Kettenis war ein Weberdorf geworden. Nach 1900 klapperte kein Webstuhl mehr im Dorf. Der Bau der Fernstraße nach Aachen in preußischer Zeit im Jahr 1828 teilte  das Dorf in zwei Teile.

 

Die Geschichte von Kettenis ist eng verbunden mit den drei wunderbaren Wasserschlössern (Weims, Waldenburghaus und Libermé) sowie den zwei Herrenhäusern Philippenhaus und Schloss Tal aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die noch immer bewohnt sind und genutzt werden.

Schlösser in Kettenis

SCHLOSS TAL

Die Geschichte  des Schlosses ist verhältnismäßig jung. Es wurde 1775 durch den Eupener Bürgermeister Rainer Franz von Grand Ry erbaut und in seinem Innern wunderbar mit Wandteppichen und Kaminen ausgestattet. Es folgte eine Reihe von Eigentümern und im 19. Jahrhundert wurden hier 14 Weberfamilien mit 42 Webstühlen untergebracht, so dass das Schloss arg  in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im Jahr 1898 kam es zurück in die Hände der Familie de Grand Ry. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Hotel-Restaurant, Kloster und Ferienheim für Kinder, bis es wieder in Privathände zurückging. Der Illusionsmaler Rainer Maria Latzke ließ es im Jahr 1986 mit großem Aufwand restaurieren. Heutiger Besitzer ist ein deutscher Geschäftsmann. Das Schloss ist von einer schönen Parkanlage umgeben.

SCHLOSS LIBERME

Die Wasserburg wird erstmals im Jahr 1334 erwähnt. Sie war ursprünglich ein Lehnsgut des Aachener Marienstifts. Im 14. und 15. Jahrhundert befand sich das Schloss im Besitz der Familie von Liberme. Seine heutige Form, die auf einem L-förmigen Grundriss beruht, erhielt es durch einen im Jahr 1531 von Herman von Batenburg veranlassten Umbau.  1684 wurde das Schloss durch französische Truppen niedergebrannt. Im 18. Jahrhundert hatte die Anlage einer kleinen Steinbrücke bauliche Veränderungen zur Folge. Im 20. Jahrhundert ließ der damalige Eigentümer Edwin Suermondt den südwestlichen Flügel erhöhen, entfernte einen Teil des Fachwerks und baute einige Fenster um. Ab 1964 wurde es zu einem Restaurant umgebaut.Im Jahr 1995/96 wurde es nach einem Besitzerwechsel vollständig saniert und dient  als Sitz eines Steuerberatungs-unternehmens.  Dort werden auch regelmäßig Kammermusikkonzerte abgehalten.

Heute ist Liberme nicht nur das Schloss an sich, sondern auch die Steinbrücke, der Wassergraben, der noch intakte Torbau mit den beiden Wehrtürmen aus dem 16. Jahrhundert (welcher zu den ältesten erhaltenen Teilen des Schlosses gehört), die Vorburg  und der Bauernhof.

Das Schloss und die Torburg wurden 1958 bez. 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

SCHLOSS WEIMS

Die Wasserburg (ein Lehnshof des Aachener Münsters) wird im Jahr 1334 erstmals erwähnt. Sie ist im 14. Jahrhundert durch Teilung aus dem Rittergut Liberme entstanden (sie war Sitz einer Nebenlinie der Familie von Libermé). Die Anlage wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) arg zerstört (u.a. die Zugbrücke). Heute ist sie sehr gut erhalten mit Herrenhaus (schönes Treppenhaus und Eichentüren), Wassergraben und Wirtschaftsgebäuden und steht unter Denkmalschutz. Heutiger Besitzer ist die Familie Miessen, die dort auch ein B&B mit komfortablen Zimmern einrichtete.

WALDENBURGSHAUS

Die Wasserburg wurde früher „Hooghuys Merols“ genannt. Sie wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Vorher stand dort eine alte Wasserburg. Während 115 Jahren war sie  im Besitz der Familie Waldenburg. André von Waldenburgh (Hauptmann in einem spanischen Reiterregiment) baute  das Haus zu einem Schloss um. Die Familie de Hodiamont verschönerte den Besitz zu einem der schönsten Schlösser der Gegend. Die Familie de Résimont (1830-1918) verkaufte es an André Franssen von Cortenbach. Im Dezember 1995 wurde Waldenburgshaus durch Feuer arg beschädigt. Alfons Knauf aus Aachen baute es im Stil des 18. Jahrhunderts wieder auf. Seit 1983 ist die Familie Magis Besitzerin des Schlosses. Dieses ist mit einer gepflegten Parkanlage umgeben.

PHILIPPENHAUS

Es hieß früher „Haus Merols“. Es war 300 Jahre lang im Besitz der Familie von Hagen,  daher auch der Name „Hagenshof“. Das heutige Ansehen erhielt des Landhaus im Jahr 1767. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwarb Johann Joseph Philipp den Hof, daher der heutige Name Philippenhaus. Im Innern befindet sich heute noch ein Hausaltar.

Die Pfarrkirche St. Katharina und die Kapellen

Die Pfarrkirche St. Katharina

Ursprünglich hat hier eine einschiffige wesentlich niedrigere Kirche gestanden. Von dieser gotischen Anlage ist nur der untere Teil des Turmes  (Wehrturm des 14. Jahrhunderts) und wahrscheinlich auch das Chor erhalten geblieben. Die heutige Kirche ist ein dreischiffiger Bau mit offenem Dachreiter. Wahrscheinlich wurden die Seitenschiffe zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem Mittelschiff angehängt. Die bauliche Verschiedenheit zwischen dem Mittelschiff und  den Seitenschiffen fällt auf. Die Fenster des Chores sind spitzbogenförmig, die  der Seitenschiffe sind rundbogig. Der barocke Hochaltar aus Holz wurde vermutlich nach Plänen des Aachener Stadtbaumeisters Couven durch den durch den aus Lüttich stammenden Hubert Hyard  ausgeführt (ähnlich wie der Hauptaltar der Eupener St. Nikolauskirche).  Er zeigt zwischen drei Hauptsäulen an jeder Seite eine Bildnische mit der Darstellung der Enthauptung der hl. Katharina von Alexandrien und ist gezeichnet  mit „F. Bernardini invenit et pinxit 1750„ . Die Säulenbasen weisen die vier Evangelisten und  das Expositorium die Opferung Isaaks auf. Der den großen Altarbogen überragende Aufbau zeigt den hl. Geist im Strahlenkranz, umgeben von Putten. Die Marmorierung des Hochaltars ist eine Arbeit des Malers H. Wirth aus Aachen.

Nach der Umgestaltung des Altarraumes gelegentlich der Liturgieerneuerung 1968 fanden die Torflügel der Kommunionbank (18. Jahrhundert) zur Herstellung  des Opfertisches Verwendung.. In der Nordwand des Chores befindet sich ein spätgotisches Sakramentshäuschen. Darüber befindet sich eine barocke Muschelnische aus Blaustein mit einer Holzstatue der hl. Barbara vom Anfang des 16. Jahrhunderts.

Auf der Vorderseite des schweren Bogens, der das Chor vom Kirchenschiff trennt, befindet sich ein 1921 durch den Maler Breuer aus Eupen auf Leinen gemaltes Ölbild, das die Madonna mit dem Kind darstellt.

Die beiden Nebenaltäre stammen aus dem 19. Jahrhundert. Links der Anna-Altar und rechts der Marien-Altar (Himmelskönigin). Die schlichte Holzkanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Beichtstühle  in Eiche sind aus dem Jahr 1879 und die Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1898. Erwähnenswert ist auch der zweireihige barocke Kronleuchter aus Messing aus dem 18. Jahrhundert. Die erste Orgel stammt aus dem Jahr 1769.

Die Kapelle „Zur Schmerzhaften Mutter“ auf der Obersten Heide

Sie wurde im Jahr 1707 gestiftet von Hubert Raermecker und seiner Ehefrau Catharina Burgers,  deren Initialen in einem Stein im nach Nispert und nach Kettenis gelegenen Giebel eingemeißelt sind. In den Jahren 1837-38 wurde die Kapelle auf Veranlassung des Ketteniser Kaplans Johann Arnoldus Chorus vergrößert. Hieran erinnert der Schlussstein des Blausteinbogens über dem Eingang sowie an der Chorseite. Seitlich befindet sich eine Reliefplatte aus Stein, auf der Veronika mit dem Schweißtuch dargestellt ist. Im Innern befindet sich  noch ein Barockaltar aus dem 18. Jahrhundert mit Pieta.

Die Rochuskapelle an der Hochstraße

Ursprünglich trug sie den Namen „Apostelteilungskapelle“ zur Erinnerung an die legendenhafte Teilung der Apostel vor ihrer Abreise aus Palästina. Die Rochuskapelle steht an einer der bedeutendsten Straßenknotenpunkte der Gegend. Hier stießen die von Gemehret kommende Römerstraße, der über Astenet-Bildchen nach Aachen führende Winweg und der vor dem Autobahnbau nach Baelen führende Weg auf die Hochstraße.  Der kleine Bruchsteinbau erhielt sein heutiges Aussehen im Jahr 1834. Im Inneren der Kapelle erinnert eine bemalte Holztafel mit den Halbfigurenbildern der zwölf Apostel an die Apostelsendung. Im Inneren stehen auch die Statuen  des hl. Rochus (Schutzpatron gegen Pest) und der hl. Genoveva. Im Jahr 1899 ließ Pfarrer Hout die verwahrloste Kapelle instand setzen und führte die Prozession zu Ehren des hl. Rochus am 16. August ein. Die Kapelle steht unter Denkmalschutz.

Die Brigidakapelle in Merols

Die Brigidakapelle ist ein schlichter  Bruchsteinbau, beschiefert und mit einem Dachreiter versehen. Die jetzige Kapelle wurde 1749 erbaut. Sie ersetzt ein wesentlich älteres Bauwerk. An der Eingangsseite sind Mauer und Dach ein wenig vorgezogen. Tür und Fenster sind rundbogig und von Blausteinrändern umrahmt. Über dem Eingang befindet sich ein Kreuz mit barockem Kruzifix. Im Chor steht ein einfacher Barockaltar mit Säulen aus dem 19. Jahrhundert, in der Nische eine Marienstatue. Links und rechts vom Altar  steht der hl. Pankratius und die hl. Brigida.